5.5 Kritische Anmerkungen zu Inhalten auf Internetseiten und Werbeaussagen in Herstellerprospekten

Im Projektzeitraum fanden viele Gespräche mit Besuchern des Meßobjektes statt. Außerdem gab es viele Anfragen zum Projekt, sowohl von Fachleuten als auch interessierten Laien, die durch die Projekt-Homepage auf das Projekt aufmerksam wurden. In diesen Gesprächen und Anfragen gab es viele Fragen zu Internetseiten und Prospekten von Heizungsherstellern. Auf die häufigsten Fehler in den dortigen Werbeaussagen sei an dieser Stelle eingegangen:

  • Perpetuum Mobile und traumhafte Strahlungs-Wirkungsgrade

Durch falsche Anwendung der strahlenphysikalischen Gleichungen wird vielfach behauptet, dass von Infrarotstrahlern mehr Strahlungsleistung abgegeben als in Form elektrischer Leistung zugeführt wird. Der Infrarotstrahler wäre dann ein Perpetuum Mobile, d.h. es  wäre ein Verstoß gegen den Energieerhaltungssatz der Physik. Solche Aussagen sind unsinnig bis unseriös.

Ebenso unseriös sind extreme Angaben zu Strahlungs-Wirkungsgraden. Werte von über 90% sind von Dunkelstrahlern technisch bedingt nicht zu erreichen. Angaben von 98% bis 100% beziehen sich auf den Wirkungsgrad der Wandlung von elektrischer Energie in Wärmeenergie insgesamt, also IRStrahlungs- und Konvektionsanteil gemeinsam, und nicht auf die IR-Strahlung alleine. Es wird jedoch der Eindruck erweckt, es sei der Strahlungs-Wirkungsgrad.

  • Infrarotheizungen, die keine sind

Von einigen Anbietern werden klassische elektrische Heizungen wie Fußboden- Decken- oder Wandheizungen mit eingebauten Heizfolien sowie elektrisch betriebene Radiatoren als Infrarotheizungen vermarktet. Dabei handelt es sich jedoch um Konvektionsheizungen mit gegenüber herkömmlichen Konvektionsheizungen etwas erhöhtem Strahlungsanteil. Die oben im Forschungsprojekt erzielten Einsparungen wie mit echten Infrarotstrahlern lassen sich damit mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht erzielen.

Ähnliches gilt für elektrisch betriebene, frei aufstellbare Flächenheizungen, deren Oberflächentemperaturen unter 60°C (typischerweise 30°C bis 50°C) liegen oder bei denen durch die Art des Aufbaus starke Konvektion entsteht (Kamineffekt). Auch bei ihnen überwiegt der Konvektionsanteil.
Auch diese Heizungen werden mit blumigen Worten als Infrarotheizungen angepriesen, obwohl sie gemäß obiger Definition keine sind.

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