5.1 Interpretation hinsichtlich Energieverbrauch

Trotz der vorher als tendenziös vermuteten Informationen über verschiedene Hersteller und deren interne Untersuchungen aus denen die Untersuchungshypothese entwickelt wurde, fällt der Unterschied im Endenergieverbrauch überraschend deutlich aus.
Da systematische Fehler durch die Wahl des Objektes und der Meßanordnung praktisch ausgeschlossen wurden und die Bewohner im Sinne eines verlässlichen Ergebnisses engagiert mitgearbeitet haben (keine Änderung im Nutzerverhalten während des Meßzeitraums), können die Meßergebnisse als typisch für den Altbaubereich angenommen werden.

Die Unterschiede lassen sich an folgenden Punkten festmachen:

a) Übertragungsverluste zwischen Gasbrenner und Heizkörpern; Leitungsverluste in der Elektroinstallation sind vernachlässigbar gering.

b) Regelungsverluste (wegen Trägheit) durch die Regelung der Gasheizung und die Speichermasse der Heizkörper.
Während die Heizkörper der Gasheizung teils mehr als 10 Minuten vom Öffnen der Ventile zur Aufheizung benötigten und nach dem (manuellen) Abdrehen noch mindestens 30 Minuten nachheizten, lag die Aufheizzeit (auf mindestens 60°C) der Infrarotstrahler bei weniger als 4 Minuten und die Abkühlzeit (von 60°C auf unter 30°C) bei weniger als 7 Minuten. Entscheidend war dabei, dass die Zeit, in der die Infrarotstrahler als Konvektionsheizung fungierten, möglichst kurz war. Außerdem ist das gesamte Regelungskonzept der Infrarotheizung als Einzelraumregelung ohne Außentemperaturfühler wesentlich flexibler als das der Gasheizung.
Deutlich läßt sich die hohe Regelgeschwindigkeit am niedrigen Verbrauch des südlich orientierten Wohnzimmers an kalten oder kühlen, aber überwiegend sonnigen Tagen Ende Januar und in der Übergangszeit Anfang April beobachten.
Die Vermeidung von Regelungsverlusten ist auch einer der Hauptvorteile gegenüber allen Großflächenheizungen, bei denen die Trägheit noch größer ist als bei den Radiatoren. Die hier erzielten Einsparungen an Endenergie sind mit solchen Heizungen trotz niedrigerer Vorlauftemperaturen sehr wahrscheinlich nicht erreichbar.

c) Unterschiedliche Lüftungsverluste durch unterschiedliche Raumlufttemperaturen. In beiden Wohnungen wurde in gleicher Weise diszipliniert per Stoßlüftung gelüftet.

d) Transmissionswärmeverluste (trockene/feuchte Wand): die Transmissionswärmeverluste sind in der Praxis durch feuchte Wände erheblich. Die niedrigen Temperaturen von Innenseiten der Außenwände bei Frosttemperaturen im Außenbereich sind bei ungedämmten Wänden hauptsächlich durch die verminderten Dämmwerte wegen Durchfeuchtung bedingt. Die Stichprobenmessungen ergaben in der gasbeheizten Wohnung Oberflächentemperaturen der Innenseite der Außenwände bis herunter auf ca. 14°C. Die infratrotbeheizten Wandoberflächen wurden auf mindestens ca. 19°C gehalten und waren durchschnittlich immer höher als die Lufttemperatur. Durch die hohen Oberflächentemperaturen wurde außerdem die Aufnahme von Wasserdampf durch die Wände weitestgehend unterbunden.

Für einen deutlichen Unterschied durch das Trocknen und Trockenhalten der Wände sprechen auch durchgeführte Messungen in Häusern aus anderen Projekten, wo wasserdampfsperrende Anstriche auf die Innenseiten von Außenwänden aufgetragen wurden. Die Wandoberflächentemperaturen blieben dabei knapp (ca. 1 K) unter der Lufttemperatur. (vgl. www.hygrosan.de)

Feuchtes Mauerwerk hat gegenüber trockenem drastisch verminderte Dämmwerte. Bereits eine Feuchte von 4% setzt den Dämmwert um ca. 50% herab. Durch die Austrocknung der Außenwände durch die Infrarotheizung (Gebäudetrocknung ist eine klassische Anwendung von Infrarotstrahlern) wurde wahrscheinlich der Dämmwert so stark angehoben, dass der Anstieg der Transmissionsverluste durch die größere Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenoberfläche der Außenwände mehr als ausgeglichen wurde.

(Ernst Vill: “Mauerfeuchtigkeit – Ursachen, Zusammenhänge, Lösungen”, Verlag – Ernst Vill, Sauerlach 2002)

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